Metta-Sutta

Das Metta-Sutta ist das Sutra von der Güte. Es ist einer der populärsten Texte des Theravada-Buddhismus und wird von dessen Mönchen täglich rezitiert.

Im Folgenden zitiere ich eine moderne Fassung aus dem Buch von Sharon Salzberg: „Metta Meditation – Buddhas revolutionärer Weg zum Glück“ sowie eine dem Pali-Original sehr nahe Übersetzung nach H.W. Schumann, zitiert aus dem „Lexikon der östlichen Weisheitslehren, O.W. Barth, 2. Auflage 1986.

Per Link möchte ich auf meine bevorzugte, die gleichermaßen moderne, aber den buddhistischen Kontext gut zum Ausdruck bringende Übersetzung von Vimalo Kulbarz verweisen. Metta-Sutta Vimalo

Eine weitere interessante Übersetzung mit textkritischen Anmerkungen findet sich auf der Website www.palikanon.de unter:
IX. Die Liebe – Metta-Suttam

 

Das Metta-Sutta bei Sharon Salzberg:

Dies soll tun, wer das Gute tun und Frieden erlangen möchte:
Er sei aufrichtig und bescheiden,
er spreche klar und liebevoll.
Bescheiden und nicht eitel, ohne Habsucht und zufrieden.
Von Pflichten unbelastet und genügsam.
Friedlich und ruhig, weise und heilsam,
im Wesen nicht stolz und fordernd.
Er tue nicht das Geringste, das dem Weisen mißfiele.
Er wünscht:
Möge es allen Wesen wohl ergehen.
Mögen ihre Herzen von Freude erfüllt sein.
Mögen sie alle in Sicherheit und Frieden leben.
Welche Wesen es auch sein mögen,
ob sie schwach sind oder stark, ohne Ausnahme,
ob mittelgroß, lang oder kurz, groß oder klein,
ob sie sichtbar sind oder unsichtbar, nah oder fern,
geboren und noch nicht geboren –
Möge es allen Wesen wohl ergehen!
Kein Wesen soll ein anderes hintergehen;
Kein Wesen verachte ein anderes, wofür auch immer.
Kein Wesen wünsche einem anderen
aus Ärger oder feindlicher Gesinnung
je Kummer oder Leid!
Wie eine Mutter mit ihrem Leben
ihr Kind, ihr einziges Kind schützt,
so sollen auch wir mit grenzenlosem Herzen
alle Lebewesen lieben;
unsere Güte soll
das ganze Universum durchdringen:
sich nach oben zu den Himmeln erstrecken und nach unten in die Tiefen,
nach außen, unbehindert überall hin,
von Hass und Feindseligkeit befreit.
Ob wir stehen oder gehen, sitzen oder liegen,
von Schläfrigkeit frei,
stets sollen wir in dieser Achtsamkeit sein.
Dies nennen wir das erhabene Verweilen.
Wenn er keinen festen Ansichten anhängt,
wird der Tugendhafte, dem Erkenntnis eigen,
von Gier und sinnlichem Verlangen befreit,
nicht mehr in diese Welt geboren.

Das Metta-Sutta nach H.W. Schumann:

So soll der handeln, der das Heil erstrebt,
nachdem die Stille Stätte er erkannt:
Er sei energisch, aufrecht, unbeirrt,
(doch) sanft und ansprechbar, hat Stolz verbannt.
Genügsam (sei er), unschwer zu erhalten,
bescheiden, nicht betriebsam, (ferner) klug,
er zügelt seine Sinne; bei Familien
ist er nicht anspruchsvoll, hat leicht genug.
Nicht gilt sein Trachten einem mindren Ziele,
des Andere, Weise, hätten ihn zu zeihn:
den Wesen allen werde Glück und Frieden,
sie alle mögen (vollauf) glücklich sein!
Was immer es an Lebewesen gebe-
ob sie umherziehn mögen oder standfest,
(flach) ausgestreckt sind oder hochgestaltig,
klein oder mittel, schwächlich oder handfest,
vor Augen oder aber im Verborgnen,
(hier) in der Nähe oder fern daheim,
geboren oder erst noch im Entstehen -:
die Wesen alle mögen glücklich sein!
Er sollte niemals einen Andern schmähn
und niemanden, wo immer auch, verachten;
aus Ärger und aus Feindseligkeit soll man
sich gegenseitig nicht nach Unheil trachten.
Gleich einer Mutter, die den eignen Sohn,
den einzigen, beschützt mit ihrem Leben,
soll gegenüber allen Wesen er
den Geist von Schranken frei zu machen streben.
Zur ganzen Welt soll Güte er entfalten
und seinen Geist von Schranken (ganz) befreien,
nach oben, unten und in flacher Richtung,
nicht eingeengt, von Hass und Feindschaft rein.
Ob stehend, gehend, sitzend oder liegend:
Wie immer er der Schlaffheit nicht verfällt
soll diese Geisteshaltung er erzeugen:
Dies nennt man göttlich Weilen in der Welt.
Indem er keiner falschen Ansicht huldigt,
die Silas pflegt, und wenn Erkenntnis sein,
hat er die Gier nach Lüsten überwunden:
Er geht in keinen Mutterschoß mehr ein.