Daigu-Zendō

Das Daigu-Zendō ist eine offene spirituelle Initiative auf zenbuddhistischer Basis

Zendō bedeutet Zen-Halle bzw. Ort, an dem Zen geübt wird, im wörtlichen wie im übertragenen (s.u.) Sinne.

„Daigu“ verweist auf den Namen des japanischen Zen-Meisters Ryōkan Daigu, 1758-1831, der auch als Poet und Kalligraph bekannt wurde.
Näheres zu seinem Leben und zur Bedeutung seines Namens finden Sie auf der Seite Ryōkan Daigu

Mit dem Daigu-Zendō möchte ich eine Möglichkeit schaffen, Spiritualität praktisch zu leben. Unter Spiritualität verstehe ich den Bereich der religiösen Praxis und Erfahrung, in dem Konzepte und Worte an ihre Grenzen stoßen und an Bedeutung verlieren.

Um ein Bild zu gebrauchen, möchte ich Spiritualität als den Bereich einer Bergwanderung bezeichnen, der oberhalb der Baumgrenze liegt. Hier ist die Sicht für alle Wanderer gleich, so dass der spirituelle Raum des Daigu-Zendō allen toleranten Menschen offen steht.

Allerdings führt der Aufstieg bis zur Baumgrenze durch die Bergwälder von Weltanschauung und Konzepten, Religion, Philosophie, Psychologie, Moral, usw. Das ist meist notwendig und daran ist nichts Schlechtes, solange mit Toleranz die beschränkte Sicht im Wald der Begriffe und Konzepte berücksichtigt wird. Die Wanderung zur Baumgrenze kann durch die Bergwälder jeder reifen Religion oder Weltanschauung erfolgen. Im Daigu-Zendō ist dies primär der Buddhismus in seiner besonderen Ausprägung des Zen-Buddhismus.

Insgesamt verstehe und praktiziere ich Zen als eine Ausprägung der sophia perennis, der „ewigen Weisheit“, des inneren Kernes spiritueller Wege. Die sophia perennis ist keine Religion, sie ist vielmehr die Essenz aller Religion, die Erfahrung der Wirklichkeit, des Urgrundes des Seins, aus der alle Religionen kommen und auf die die Konfessionen hinzuweisen versuchen. Zum Thema sophia perennis möchte ich auf die Literatur von Willigis Jäger und Eckhart Tolle verweisen.

Das Daigu-Zendō ist eine informelle Initiative im Sinne des Graswurzel-Zen.
Das bedeutet:

  • Gemeinsames Zazen, Meditation und Übung, Austausch von Erfahrung und Information, Bildung einer freien Gemeinschaft bzw. eines Netzwerkes als Basis von Freundschaften
  • Konzentration auf den praktischen Kern und die Umsetzung im täglichen Leben, Ritual und Tradition lediglich in dem Maße, in dem dies dem spirituellen Kern förderlich ist.
  • Keine Bildung von Hierarchien und Machtstrukturen. Es zählt nur die natürliche Autorität gelebter Verwirklichung und die Anerkennung durch die Person, die diese erkennt.

Als Zendō im wörtlichen Sinne zur gemeinsamen Meditation dient derzeit mein Meditationsraum in der Westenbergstraße 18 in Steinfurt.

Im übertragenen Sinne ist die Gemeinschaft, das Netzwerk, die Sangha, die persönliche Begegnung, letztlich aber schon das eigene Herz das Zendō.

„Unser Herz, das ist die Übungshalle“ (Dōgen Zenji: „waga shin kore dōjō“)